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Eine Lehrveranstaltung an der Philipps-Universität Marburg vom WS 1982/83 bis SoSe 2017
Konflikte in Gegenwart und Zukunft

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jüdische Siedlungen im Westjordanland

Veranstaltung 7 im Sommersemester 2009

06.07.2009
 

Abstract

Der Referent vergleicht zunächst den Nahostkonflikt mit einem gewaltigen Brandherd: "Wir können wegschauen, die Schuld auf andere schieben, jammern und klagen – aber wir können auch den Teelöffel Wasser, den jede Person in der Hand hält, immer wieder in einem Wassereimer füllen und gegen die Flammen spritzen".

In der völkerrechtswidrigen Besatzung, die eigentlich seit 1967 längst hätte beendet werden müssen, sowie im fortgesetzten Bau neuer jüdischer Siedlungen im Westjordanland sieht der Referent die wichtigste Ursache für die Fortdauer des Konfliktes. Auf palästinensischer Seite nennt er den Beschuss mit Kassam-Raketen aus dem Gazastreifen auf israelisches Territorium sowie Selbstmordanschläge als wichtigste Hindernisse zum Frieden.

Besonders hinderlich für einen gerechten Frieden sei der Bau der rund 700 Kilometer langen Grenzzaun- und Maueranlage, die vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag als eindeutig völkerrechtswidrig bezeichnet worden sei. Durch diesen Trennungszaun sowie durch die Mauer würden tausende von Palästinensern von ihrem Eigentum getrennt, viele palästinensische Häuser seien bereits abgerissen worden, um für den Mauerbau Platz zu schaffen.

Als Schritte zu einer möglichen Deeskalation zwischen den beiden Konfliktparteien schlägt der Referent vor, den Austausch von Gefangenen zu forcieren. Der Siedlungs- und Mauerbau sollte beendet werden, die israelische Armee aus dem Westjordanland abziehen. Bei Wiederaufnahme direkter Verhandlungen könnte eine Zweistaatenlösung erreicht werden, Ostjerusalem könnte Haupstadt des neuen Staates Palästina werden – in einem Staatenverbund mit Jordanien -, um wirtschaftlich überlebensfähig zu sein. Die Frage der Flüchtlinge, von denen nach Umfragen lediglich zehn Prozent überhaupt zurückkehren möchten, schlug der Referent vor, auf der Basis der so genannten "Genfer Friedensinitiative" aus dem Jahre 2003 zu lösen. Vor allem aber sollten die zahlreichen Friedensinitiativen auf beiden Seiten unterstützt werden, damit Friedenspläne überhaupt eine Chance bekämen.

Als Modell nannte er den israelisch-palästinensischen Radiosender "Alle gemeinsam für den Frieden". Im Dorf Neve Shalom-Wahat al Salam (Oase des Friedens) würden seit Jahrzehnten Juden und Muslime zusammen mit ihren Kindern leben, derzeit mehr als 100 Erwachsene, die auch eine Friedensschule aufgebaut hätten. Kinder und Jugendliche wachsen in diesem Dorf gemeinsam mit der Sprache der anderen Seite auf.

Mit einer "Bücherei auf Rädern" fährt der palästinensische Versöhnungsbund-Vertreter Nafez Asseily durch palästinensische Dörfer und Flüchtlingslager und unterrichtet Jugendliche in gewaltfreien Methoden gegen die Besatzung. Das israelische Komitee gegen die Zerstörung von Häusern, bei dem sich das israelische Versöhnungsbund-Mitglied Amos Gvirtz engagiert, baut im Rahmen seiner Möglichkeiten zerstörte Häuser von Palästinensern wieder auf, die dem Grenzzaun zum Opfer fielen. Rund 1000 Soldaten, darunter mehr als zwei Dutzend Piloten der israelischen Streitkräfte, würden sich derzeit weigern, in den besetzten Gebieten Armeeinsätze zu befolgen, weil sie nichts mit der Sicherheit Israels zu tun hätten, sondern nur das Leid der Palästinenser verlängern würden. Auf palästinensischer Seite haben Intellektuelle in Zeitungsannoncen dazu aufgerufen, Selbstmordanschläge zu stoppen.

In einem gemeinsamen israelisch-palästinensischen Elternkreis treffen sich Erwachsene, um den Tod ihrer Kinder und anderer Verwandter zu betrauern, die der Gewalt der jeweils anderen Seite zum Opfer gefallen sind.

Der Referent empfielt, mit dem ökumenischen Rat der Kirchen in einen Begleitdienst zur Menschenrechtsbeobachtung in Israel und in den palästinensischen Gebieten zu gehen. Andere hilfreiche Organisationen zur Konflikteindämmung seien "International Solidarity Movement" und die "Christian Peace Maker Teams", die sich vor allem in Hebron engagieren und ebenfalls ausländische Freiwillige suchten.