Interdisziplinäres Seminar zu Ökologie und Zukunftssicherung im Sommersemester 2012
gemeinsam mit dem
Zentrum für Konfliktforschung
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21.05.2012
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Den Mitschnitt des Vortrags haben wir zur besseren Handhabung in mehrere Abschnitte unterteilt. Alle Dateien sind hier bereitgestellt:
gruppenbezogene_menschenfeindlichkeit.pdf
Folien (826 kB)
gruppenbezogene_menschenfeindlichkeit-10.mp3
Vorstellung der Referentin durch Priv. Doz. Dr. Johannes M. Becker (2:43 min, 1,1 MB)
gruppenbezogene_menschenfeindlichkeit-21.mp3
Vortrag Teil 1 (30:35 min, 12,2 MB)
gruppenbezogene_menschenfeindlichkeit-22.mp3
Vortrag Teil 2 (29:07 min, 11,5 MB)
gruppenbezogene_menschenfeindlichkeit-30.mp3
Diskussion (16:20 min, 6,7 MB)
"Es leben zu viele Ausländer in Deutschland" – fast die Hälfte aller Deutschen stimmten im Jahr 2011 dieser Aussage eher oder voll und ganz zu. 13 % der Befragten waren der Ansicht, "Juden haben zu viel Einfluss" und 35 % meinten, "bettelnde Obdachlose sollten aus den Fußgängerzonen entfernt werden".
In einem 10-jährigen Forschungsprojekt (2002-2012) untersuchte das Projekt "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" des Instituts für interdisziplinäre Konflikt-und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weiterer Hochschulen das Ausmaß, die Entwicklung und Bedingungsfaktoren solcher und ähnlicher abwertender Einstellungen. Mit jährlichen repräsentativen Befragungen, einer begleitenden Längsschnittstudie und einem parallel laufenden Graduiertenkolleg an den Universitäten Bielefeld und Marburg ist es das bislang größte Projekt zum Thema Vorurteile, das in Deutschland durchgeführt wurde.
Die inzwischen empirisch gut belegte Ausgangsannahme geht von einem "Syndrom gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit" aus. Vorurteile wie Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Homophobie, die Abwertung von Muslimen, Langzeitarbeitslosen, Obdachlosen und behinderten Menschen hängen signifikant miteinander zusammen und sind im Kern über eine Ideologie der Ungleichwertigkeit verbunden. Als besonders wichtige Einflussfaktoren, die bestimmen, ob jemand mehr oder weniger menschenfeindliche Einstellungen teilt, hat sich die grundsätzliche Haltung zu Vielfältigkeit, das individuelle Ausmaß von Autoritarismus und das Gefühl der Bedrohung – auch und besonders des eigenen sozialen Status – erwiesen. So stieg das Ausmaß von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit mit der Finanz- und Wirtschaftskrise vor allem bei jenen, die sich aktuell von der Krise bedroht fühlten. Mangelnder Kontakt zu den abgewerteten Gruppen trägt das Übrige zu Vorurteilen bei, wie sich am Beispiel von Fremdenfeindlichkeit nachzeichnen lässt.
Die Forderung nach eigener sozialer und politischer Teilhabe bedeutet dabei jedoch keineswegs, auch anderen gegenüber solidarischer zu sein. Im Vergleich zu etlichen unseren europäischen Nachbarn, ist das Verständnis einer vielfältigen Gesellschaft in Deutschland unterentwickelt. Es gilt, gesellschaftlichen Zusammenhalt in Vielfalt zu denken und ausgrenzende Populismen zu enttarnen.