Zur ISEM Startseite
Eine Lehrveranstaltung an der Philipps-Universität Marburg vom WS 1982/83 bis SoSe 2017
Konflikte in Gegenwart und Zukunft

Interdisziplinäres Seminar zu Ökologie und Zukunftssicherung im Sommersemester 2008

gemeinsam mit dem Fenster ins WWW Zentrum für Konfliktforschung

Liste der Veranstaltungen

-> kompakte Liste

Veranstaltung 1 Veranstaltung 2 Veranstaltung 3 Veranstaltung 4 Veranstaltung 5 Veranstaltung 6 Veranstaltung 7
Veranstaltung 1

07.04.2008
 

Skripte etc.

Eine ausführliche Zusammenfassung und die Folien des Vortrages finden Sie hier:

bb2020abstract.pdf
ausführliche Zusammenfassung (297 kB)

bb2020folien.pdf
ausführliche Zusammenfassung (231 kB)

 

Abstract

Die deutsche Bahnreform im Jahre 1994 stand unter der übergeordneten Zielsetzung, mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen und Verkehr von anderen Verkehrsträgern wie PKW/LKW und Flugzeug zur Bahn hin zu verlagern. Diese Zielsetzung, die heute im Zeichen wachsender Umwelt- und Klimaprobleme aktueller ist denn je, wurde verfehlt: Während andere Verkehrsträger ihre Anteile leicht erhöhen konnten, blieb der Anteil der Bahn nahezu unverändert.

Diese Bilanz bietet Anlass zu einem Vergleich der Entwicklung der Bahnnetze und der Angebotskonzepte in Deutschland und der Schweiz. Während die Entwicklung in beiden Ländern bis ca. 1960 ähnlich verlief, hat man seitdem unterschiedliche Strategien verfolgt: Hier Regionalisierung und Vorbereitung der Privatisierung, Konzentration auf wenige Hochgeschwindigkeitsstrecken bei gleichzeitigem Rückzug aus der Fläche und zahlreichen Streckenstilllegungen, dort Verzicht auf Höchstgeschwindigkeiten, dafür aber Ausbau eines räumlich und zeitlich eng geknüpften Netzes mit optimalen Anschlussbedingungen für die Bahnkunden bei gleichzeitigen Verbleib der Bahnen in staatlicher bzw. kommunaler Hand. Eine Konsequenz: In der Schweiz wird heute mehr als doppelt so viel Bahn gefahren wie in Deutschland.

Herzstück des vorgestellten, am Schweizer Erfolgsmodell orientierten Bahnkonzepts BB 2020 ist der Integrale Taktfahrplan (ITF). Dieser ermöglicht die Herstellung optimaler Anschlüsse und damit eine erhebliche Verkürzung der Reisezeiten. Voraussetzung dafür sind bestimmte Reisezeiten zwischen den Umsteigeknoten, die teilweise nur durch gezielte Streckenausbauten und Knotenertüchtigungen zu erreichen sind. Netz- und Knotenausbauten müssen also einem Fahrplankonzept folgen statt umgekehrt.

Eine mögliche Privatisierung der für Netz und Betrieb zuständigen Teile der Deutschen Bahn steht diesen Zielen und Konzepten diametral entgegen, da für private Investoren nicht flächen- und zeitdeckende Mobiltätsangebote, sondern Gewinnmaximierung Priorität haben.

Im Vortrag werden die unterschiedlichen Bahnkonzepte, ihre Hintergründe und Konsequenzen dargestellt und es werden Perspektiven für die Zukunft der Bahn in Deutschland  speziell vor dem Hintergrund der laufenden politischen Entscheidungsprozesse  diskutiert.

 
Veranstaltung 2

21.04.2008
 

Abstract

Die Reaktion vieler kanadischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller auf den Irakkrieg im Jahre 2003 wird am besten durch den Titel eines Gedichts von Daphne Marlatt illustriert, der gleichzeitig auch der Slogan war, mit dem amerikanische Intellektuelle schon ab 2002 gegen die Pläne der Bush-Regierung protestierten: "Not in Our Name".

Diese kanadische Skepsis gegenüber der Irak-Politik der USA ist eine Reaktion,die eigentlich niemanden hier im "alten Europa" verwundern kann. Der Vortrag behandelt neben dem traditionellen politisch-kulturellen Verhältnis zwischen Kanada und den USA die Reaktionen kanadischer Literaten auf die militärischen Auseinandersetzungen am Persischen Golf vom Golfkrieg Anfang der 1990er Jahre bis hin zum Irakkrieg 2003. Es geht um

  • die albtraumhafte Wirkung des Kriegs auf Iraker wie auch Nordamerikaner,
  • um die Bilder und Metaphern, die kanadische Schriftsteller in ihrem Protest
    gegen den Krieg verwenden,
  • um ihre Entrüstung, die sich in polemischen und satirischen Texten äußert und
  • um die politischen Visionen, die sie in ihren Texten entwerfen.
 
Veranstaltung 3

05.05.2008
 

Abstract

Für den Sozialwissenschaftler in Aktion stellt sich das Problem, zugleich Akteur und kritischer Beobachter zu sein, in großer Schärfe: Die wissenschaftliche und ethische Verpflichtung zur Analyse und Deutung gesellschaftlicher Situationen kollidiert häufig mit den Konsequenzen, die die Adressaten dieser Analysen daraus ziehen wollen. Am Beispiel von Kosovo (UNMIK) und Afghanistan (Hochschulwesen, PRT) werden einige dieser Konflikte so erläutert, dass sie auch sinnvolle Perspektiven für weitere Forschung und die Diskursfähigkeit von Wissenschaftlern und politischen Akteuren eröffnen.

Am Beispiel des Kosovo kann die falsche Platzierung von Ethnien im politischen Kontext (Sicherheitsrat, Quasi-Staatlichkeiten) und die Naivität der mandatierten Staatsgewalt (UNMIK) gezeigt werden, was zu einer Vernachlässigung von gesellschaftlichen Aspekten geführt hat. Dies kann für die gegenwärtige Situation ein schwerwiegendes Problem für die Europäische Union und EULEX werden.

Afghanistan muss seine Modernisierungen erst wieder wahrnehmbar und bearbeitbar machen. Welche Rolle die Nach-Interventionszeit dabei spielt und wie wir uns dazu verhalten können, wird im zweiten Teil des Vortrags erläutert.

Beide Themen werden durch den theoretischen Ansatz der Interventionsgesellschaft miteinander verbunden.

 
Veranstaltung 4

19.05.2008
 

Skripte etc.

Das Skript des Vortrages finden Sie hier:

praeventiv.pdf
(138 kB)

 

Abstract

Im Leitwert und Leitwort "Prävention" oder "Vorsorge" werden die Konturen eines modernen und massendemokratischen Maßnahmenstaates sichtbar. Dieser Staat sucht die aufgegebene sozial- und umverteilungspolitische Macht zu ersetzen durch spektakuläre "Vorsorgeaktionen". Und das bevorzugt auf Gebieten, wo die Maßnahmen durch geltendes Recht nicht gedeckt sind, wohl aber durch öffentlich einwandsimmune Höchstwerte wie "Sicherheit" oder "Gesundheit" , gegen die auch dann niemand öffentlich auftritt, wenn in ihrem Namen Recht gebrochen wird. Das Prinzip "Prävention" verschiebt die Grenzen der Staatstätigkeit in die Gesellschafts- und Privatsphäre. "Feind"-Kategorien werden überlagert und ersetzt durch "Gefährder"-Kategorien.

Der Vortrag thematisiert das Vorfeld dieser maßnahmenstaatlichen Konstellation. Es geht weniger um den absoluten Feind, der als "globaler Terrorismus" etc. markiert wird, vielmehr um die alltägliche und "normale", um die unterschwellige Feindbildproduktion unter den gegebenen Bedingungen, die "Sicherheit" als letzen Leitwert staatlichen Handelns ausweisen, und "Prävention" als den Weg dorthin.

 
Veranstaltung 5

02.06.2008
 

Skripte etc.

Die vom Autor erläuterte Studie des Ökoinstituts Darmstadt finden Sie hier:

  Analyse des Bedrohungspotenzials „gezielter Flugzeugabsturz" am Beispiel der Anlage Biblis-A (Persistenz wird nicht kontrolliert)

 

Abstract

Durch die neuen Dimensionen des internationalen Terrorismus hat sich in jüngerer Zeit die Einsicht durchgesetzt, dass sich die spezifische Bedrohungslage  auch in der Bundesrepublik Deutschland  verändert hat. Aus diesem Grund müssen auch bislang eher als unwahrscheinlich betrachtete terroristische Szenarien neu diskutiert werden, so speziell auch ein gezielter Absturz eines zivilen Großflugzeugs auf ein Kernkraftwerk.

Kernkraftwerke beinhalten aufgrund des in ihnen enthaltenen großen radioaktiven Inventars ein hohes Gefahrenpotenzial für Mensch und Umwelt. Sehr große Mengen Energie bzw. Leistung sind auf kleinem Raum konzentriert. Ohne ausreichende Kühlung droht die Gefahr einer Kernschmelze, die eine massive Freisetzung radioaktiver Stoffe und katastrophale Auswirkungen zur Folge haben kann.

Insbesondere bei den ältesten, nicht explizit gegen Flugzeugabsturz ausgelegten Kernkraftwerken, zu denen bspw. die Anlage Biblis A zählt, ist bei realistisch möglichen Absturzszenarien eine großflächige Zerstörung des Reaktorgebäudes nicht sicher ausgeschlossen. Durch weitere Folgeschäden kann es dazu kommen, dass die verbleibenden Sicherheitssysteme ein solches Ereignis nicht mehr beherrschen.

Auch von der betroffenen Anlage sehr weit entfernt gelegene Gebiete müssten dann möglicherweise evakuiert werden. Die gesundheitlichen Folgen würden vor allem in Spätschäden wie Krebserkrankungen bestehen. Ein solches Ereignis wäre auch mit massiven ökonomischen Schäden verbunden.

 
Veranstaltung 6

16.06.2008
 

Skripte etc.

Die interdisziplinäre Ringvorlesung "Konflikte in Gegenwart und Zukunft" mit ihrem Untertitel/Motto "Bedrohung von Mensch und Natur – Analysen und Alternativen" ist durch ihre Themenstellung geradezu prädestiniert, sich mit dem Mensch und Natur bedrohenden Klimawandel auseinanderzusetzen.

Um möglichst viele Aspekte dieses äußerst vielschichtigen Themas wenigstens holzschnittartig darzustellen, wurde der Weg einer "interdisziplinären Annäherung" gewählt, indem ein Physiker die Ursachen und sachlichen Folgen des Klimawandels analysierte, ein Umweltfachmann die nötigen/möglichen Maßnahmen darstellte und ein Friedensforscher zu den sich abzeichnenden gesellschaftlichen Problemen Stellung bezog.

Die drei Kurzvorträge, deren Folien folgen, können und sollen nur einen Einstieg in die auf die menschliche Gesellschaft zukommende Problematik ermöglichen – für einen solchen liefern sie jedoch eine fast erschöpfende Zahl von Stichworten.

Dokumente dazu finden Sie hier:

klimawandel1
Folien von Prof. Dr.H. Ackermann
(87 kB)

klimawandel2
Folien von Dr.U. Geffarth
(151 kB)

klimawandel3
Thesen von PD Dr.J. M. Becker
(176 kB)

 

Abstract

Der Klimawandel hat schon begonnen. Unsere Erde hat Fieber! Wie sollen und können wir damit umgehen? Diese hochkomplexe Frage kann nur interdisziplinär behandelt werden, und darum wollen sich die drei Referenten bemühen.

Zu Beginn wird Prof. Dr. H. Ackermann über Ursachen und Verursacher des Klimawandels referieren und einige Folgen skizzieren. Im Zentrum werden die derzeit wichtigsten Treibhausgase und ihre Emissionsquellen stehen.

Anschließend wird sich Dr. U. Geffarth mit Maßnahmen in Technik, Politik und Gesellschaft befassen, mit denen versucht werden soll, eine Klimakatastrophe zu verhindern. Dabei werden effiziente Energienutzung, erneuerbare Energien, politische Strategien sowie der notwendige gesellschaftliche Bewusstseinswandel Schwerpunkte bilden.

Abschließend wird PD Dr. J. M. Becker über sicherheits- und friedenspolitische Konsequenzen des Klimawandels reden. Dieser bislang in der öffentlichen Diskussion wenig beachtete Aspekt ist hoch bedeutsam angesichts des Konfliktpotenzials, das sich aus den unterschiedlichen Betroffenheiten geografischer Regionen und Bevölkerungsgruppen ergibt.

 
Veranstaltung 7

30.06.2008
 

Skripte etc.

Das Skript des Vortrages finden Sie hier:

befreiungstheol.pdf
(145 kB)

 

Abstract

Glaubensgemeinschaften müssen nicht reaktionär sein. Lateinamerikanische Befreiungstheologie steht seit den 60er Jahren in wechselnden Gesellschaftssituationen für den revolutionären Aufbruch aus menschenunwürdigen Strukturen. Unter den Militärdiktaturen setzten sich Basisgemeinden und z.T. auch die akademische (überwiegend katholische) Theologie konfrontativ – so weit wie möglich friedlich ("militante Liebe") – für Menschenwürde, Rechte der Armen, Frauenemanzipation, Naturschutz ein.

Nach der "Wende" zielen befreiungstheologische Projekte verstärkt auf demokratisches Engagement, pädagogische Bewusstseinsbildung und vorbildliche Lebensgestaltung – mit wechselndem Erfolg. Die Befreiungstheologie bleibt mit ihrer radikalen, in uralten Gerechtigkeitskonzepten (biblische Impulse!) begründeten Gesellschaftsanalyse inklusive Kirchenkritik) und ihrem Praxisbezug ein wichtiges Element heutiger Lebensgestaltung
unter den Bedingungen globaler Existenz.