Interdisziplinäres Seminar zu Ökologie und Zukunftssicherung im Wintersemester 1997-1998
gemeinsam mit dem
Zentrum für Konfliktforschung
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27.10.1997
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Das Skript zum Vortrag finden Sie hier:
nachhalt.pdf
(168 kB)
Das Konzept wurde vor etwa 200 Jahren in der Forstwissenschaft erarbeitet und inzwischen erheblich weiterentwickelt. Ausführlich erläuterte der Referent die dabei deutlich gewordenen Konflikte an verschiedenen Beispielen im In- und Ausland. Es bezeichnete die deutsche Forstwissenschaft auf diesem Gebiet als weltweit führend.
Hinweise für weitere Recherchen nach Empfehlung des Referenten:
Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Universität Göttingen
Mitgestaltungsprojekt in Biel (BE)
CESR Center for Environmental Systems Research Uni Kassel
oneworldweb: Umwelt Menschenrechte Soziales
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03.11.1997
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Link: Statt der damals zum Vortrag angebenen und heute nicht mehr aktuellen Informationen hier ein akueller Link zum Thema des Vortrags:
Advancing NASA Sea Level Science and Interdisciplinary Research: Webseite der NASA zu den Veränderungen des Meeresspiegels aufgrund der Klimakatastrophe
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10.11.1997
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Literatur:
M. Bradley (ed.): More poetry please! Everyman
K.H. Raach: Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume? Herder 1985 (nur noch antiquarisch erhältlich)
C. Mattheck: Stupsi erklärt den Baum. Verl. Forsch. Zentr. Karlsruhe
B. Borgeest und J. Mick: Ein Baum und sein Land. 24 Symbiosen. (nur noch antiquarisch erhältlich)
N. Panek: Naturraumführer Kellerwald und Edersee. Cognitio Verl.
V. Eggmann u. B. Steiner: Baumzeit, Magier, Mythen und Mirakel. Werd-Verl. 1995
G. Matthews: Bäume. Eine Weltreise in faszinierenden Fotos. BLV
R. Kiedrowski u.a.: Bäume dieser Welt, unübertroffen im Überleben. Naturbuch Verl. 1997 (nur noch antiquarisch erhältlich)
J. Giono: Der Mann mit den Bäumen. Flamberg (1972) (nur noch antiquarisch erhältlich)
A. Lindgren: Klingt meine Linde. Oetinger (1990) (nur noch antiquarisch erhältlich)
S. Schama: Der Traum von der Wildnis. Natur als M.
G. Mader u. L. Neubert-Mader: Bäume. Gestaltungsmittel im Garten, Landschaft und Städtebau
A. Ringeler: Gefährdete Landschaft. Lebensräume auf der Roten Liste 1987 (nur noch antiquarisch erhältlich)
Zitierte Gedichte:
Wilhelm Müller 1794-1827:
Der Lindenbaum
Am Brunnen vor dem Tore
da steht ein Lindenbaum:
ich träumt'in seinem Schatten
so manchen süssen Traum.
Ich schnitt in seine Rinde
so manches liebe Wort;
es zog in Freud und Leide
zu ihm mich immer fort.
Ich mußt'auch heute wandern
vorbei in tiefer Nacht,
da hab'ich noch im Dunkel
die Augen zugemacht.
Und seine Zweige rauschten,
als riefen sie mir zu:
komm her zu mir, Geselle,
hier findst du deine Ruh!
Die kalten Winde bliesen
mir grad ins Angesicht,
der Hut flog mir vom Kopfe
ich wendete mich nicht.
Nun bin ich manche Stunde
entfernt von jenem Ort,
und immer hör ich's rauschen:
du fändest Ruhe dort!
Ina Seidel:
Trost
Unsterblich durften die Linden –
was bangst du nur?
Du wirst vergehn und deiner Füße Spur
wird bald kein Auge mehr im Staube finden.
Doch blau und leuchtend wird der Sommer stehn
und wird mit seinem süßen Atemwehn
gelind die arme Menschenbrust entbinden.
Wo kommst du her? Wie lang bist du noch hier?
Was liegt an dir?
Unsterblich duften die Linden.-
Walter Helmuth Fritz
Bäume
Wieder hat man in der Stadt,
um Parkplätze zu schaffen,
Platanen gefällt.
Sie wußten viel.
Wenn wir in ihrer Nähe waren,
begrüßten wir sie als Freunde.
Inzwischen ist es fast
zu einem Verbrechen geworden,
nicht über Bäume zu sprechen,
ihre Wurzeln,
den Wind, die Vögel,
die sich in ihnen niederlassen,
den Frieden,
an den sie uns erinnern.
Rudyard Kipling:
The Way through the Woods
They shut the road through the woods
Seventy years ago.
Weather and rain have undone it again,
And now you would never know
There was once a road through the woods
Before they planted the trees.
It is underneath the coppice and heath
And the thin anemones.
Only the keeper sees
That, where the ring-dove broods,
And the badgers roll at ease,
There was once a road through the woods.
Yet, if you enter the woods,
Of a summer evening late,
When the night-air cools on the trout-ringed pools
Where the otter whistles his mate,
(They fear not men in the woods
Because they see so few.)
Your will hear the beat of a horse's feet,
And the swish of a skirt in the dew,
Steadily cantering through
The misty solitudes,
As though they perfectly knew
The old lost road through the woods…
But there is no road through the woods.
Joseph von Eichendorff:
Abschied
im Walde bei Lubowitz
O Täler weit, o Höhen,
o schöner, grüner Wald,
du meiner Lust und Wehen
andächt'ger Aufenthalt!
Da draußen, stets betrogen,
saust die geschäft'ge Welt,
schlag noch einmal die Bogen
um mich, du grünes Zelt!
Wenn es beginnt zu tagen,
die Erde dampft und blinkt,
die Vögel lustig schlagen,
daß dir dein Herz erklingt:
da mag vergehn, verwehen
das trübe Erdenleid,
da sollst du auferstehen
in junger Herrlichkeit!
Da steht im Wald geschrieben
ein stilles, ernstes Wort
von rechtem Tun und Lieben,
und was des Menschen Hort.
Ich habe treu gelesen
die Worte, schlicht und wahr,
und durch mein ganzes Wesen
ward's unaussprechlich klar.
Bald werd' ich dich verlassen,
fremd in der Fremde gehn,
auf buntbewegten Gassen
des Lebens Schauspiel sehn;
und mitten in dem Leben
wird deines Ernsts Gewalt
mich Einsamen erheben,
so wird mein Herz nicht alt.
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17.11.1997
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24.11.1997
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08.12.1997
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Das Skript zum Vortrag finden Sie hier:
wahrheit.pdf
(171 kB)
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15.12.1997
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Das Skript zum Vortrag finden Sie hier:
sozoek.pdf
(15 kB)
Eine Liste mit den Veröffentlichungen des Technologie-Netzwerk Berlin e.V. zum Thema finden Sie hier:
netzpub.pdf
(43 kB)
Trotz relativ stetigen wirtschaftlichen Wachstums hat sich in den hochindustrialisierten Ländern Westeuropas zur gleichen Zeit ein beständig wachsender Sockel an Dauerarbeitslosigkeit herausgebildet. Aber der Sockel ist nicht überall gleich hoch. Die Arbeitslosigkeit konzentriert sich in bestimmten ländlichen oder städtischen Regionen, ja sogar in bestimmten Stadtteilen. Wir sprechen von einer "gespaltenen Ökonomie": gespalten in Wohlstandszonen einerseits und Krisenregionen andererseits. Trotz oder wegen der regionalen Fördermaßnahmen vertieft sich die Spaltung, statt dass ein Ausgleich herbeigeführt würde.
Alle Erfahrung aus den Krisenregionen Westeuropas, die schon seit längerem in der Krise stecken, spricht leider dafür, dass auch der derzeitigen Talfahrt der ostdeutschen (wie der osteuropäischen) Wirtschaft kein Aufschwung gleichsam automatisch folgt. Die Gesetze des Marktes werden vor allem auch jene enttäuschen, die von der Einführung der Marktwirtschaft die zumindest langfristige Beseitigung von Arbeitslosigkeit erwarten – im Gegenteil: Die Arbeitslosigkeit der einen ist der Preis für die Konkurrenzfähigkeit der anderen.
Dass dieses "Spiel" – jenseits aller moralischen Erwägungen – nicht gut geht, dafür bietet die ansteigende Gewaltbereitschaft, nicht nur an den Rändern der Gesellschaft, ein warnendes Beispiel. Da wir aber die Zustände nicht nur beklagen wollen, sondern – für uns und andere – nach praktischen Auswegen suchen, bleibt nur die Selbsthilfe.
Damit ist selbstverständlich nicht der Ersatz von staatlichen Dienstleistungen durch ehrenamtliche und unbezahlte Arbeit gemeint. Ökonomische Selbsthilfe will ebenso wenig auf ein Investitions- oder Wirtschaftswunder warten, sondern Arbeit und Einkommen aus eigener Kraft erwirtschaften.
Dass dies möglich ist, beweisen viele Initiativen und Gemeinden überall in Europa: in Großbritannien, in Spanien, in Österreich, in den Niederlanden, in Großstädten wie London und Glasgow ebenso wie in abgelegenen Regionen der Alpen, im französischen Zentralmassiv oder auf den schottischen Inseln.
Das Prinzip ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Anstatt mit aller Gewalt im Kampf um die Export- und Weltmärkte noch irgendwo eine Lücke aufzureißen (was so erfolgversprechend ist wie die Suche nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen), wird die wirtschaftliche Tätigkeit vorrangig durch die Förderung direkter Austauschbeziehungen innerhalb der Gemeinde oder Region angeregt – nach dem britischen Motto "local work for local people".
Paradoxerweise eröffnen sich erst dann neue Handlungsmöglichkeiten, wenn die Beschränkung der Handlungsmöglichkeiten auf die lokale Ebene und auf die zur Verfügung stehenden lokalen Ressourcen akzeptiert wird. Erst bei diesem Perspektivwechsel zeigt sich der Bedarf oder die Notwendigkeit einer lokalen ökonomischen Strategie.
Gleichzeitig kann die mit der Krise verbundene Desintegration aus (bisher möglicherweise als unumstößlich oder übermächtig angesehenen) Verflechtungszusammenhängen als Chance für einen Neuanfang, eine eigenständig definierte Entwicklung (oder eigenständige Regionalentwicklung) begriffen werden. Insofern müssen sich lokal-ökonomische Strategien keineswegs auf Krisenabwehr und Notlagenindikation beschränken, sondern können positive, zukunftsorientierte Entwürfe enthalten.
Was hier in den Krisenregionen Europas an originellen Ideen und Formen ökonomischer Selbsthilfe entstanden ist, ist mehr als nur eine Notlösung, sondern möglicherweise der Keim einer neuen gemeinwesenorientierten Ökonomie, in der ökonomische, soziale und ökologische Zielsetzungen keine unversöhnlichen Gegensätze mehr darstellen, sondern zusammenwirken können. Hoffen läßt, dass es sich nicht um utopische Entwürfe handelt, sondern um praktizierte Experimente. Jede und jeder kann sie nachvollziehen oder an ihnen teilhaben.
Literatur:
Wirtschaft von unten – People's Economy
Beiträge für eine soziale Ökonomie in Europa
Einstiegslektüre zur ökonomischen Selbsthilfe durch lokale und regionale Entwicklung "von unten" von 31 AutorInnen auf 268 Seiten, (1996)
Herausgegeben von: Europäisches Netzwerk für ökonomische Selbsthilfe und lokale Entwicklung
(nur noch antiquarisch erhältlich)
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12.01.1998
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Vortragsfolien mit Literaturhinweisen zum Vortrag finden Sie hier:
wwwfol.pdf
(168 kB)
Virtual Reality – virtuelle Realität, kurz: VR – steht für eine Reihe von Techniken der Informatik, die neue Formen des Computer-Zugangs und der Interaktion mit dem Rechner erschließen. Schon einmal, vor ca. 20 Jahren, hat sich hier ein Umbruch vollzogen: von der damals üblichen eindimensionalen Computer-Eingabe per Kommandozeilen zur zweidimensionalen Interaktion aufgrund der sogenannten desktop metaphor, d.h. der Simulation eines Schreibtischs und der darauf befindlichen Dokumente auf einem Computer-Bildschirm.
Heute werden Techniken entwickelt und vermarket, die das dreidimensionale "Begehen" virtueller – d.h. künstlich erzeugter – Umgebungen ermöglichen sollen. Dem Nutzer solcher Techniken soll statt des bloßen Betrachtens eines "flachen" Bildschirms der Eindruck des "Eintauchens" (immersion) in eine künstliche, dreidimensionale Welt vermittelt werden. Dazu wird er mit neuartigen Zugangsgeräten wie den sogenannten Datenbrillen, -helmen,
-handschuhen oder -anzügen ausgerüstet. Eine "Datenbrille" enthält beispielsweise zwei kleine Bildschirme, über die dem Betrachter oder genauer "Begeher" die virtuelle, mittels Graphik-Software erzeugte Umgebung unmittelbar ins Blickfeld eingespiegelt wird. Spezielle VR-Software sorgt dafür, dass z.B. der Effekt von Kopfbewegungen in den (Gegen-) Bewegungen der eingespiegelten Bilder oder dass der von Kollisionen oder Berührungen ausgehende Sinnesreiz per Datenhandschuh oder Datenanzug für den Benutzer simuliert wird.
Damit eröffnen sich neue Anwendungsfelder und -möglichkeiten, z.B. in der Medizin und Psychologie, bei der Prozessteuerung, in der Architektur, der Ausbildung, der Spiel- und Unterhaltungsindustrie. So erlauben Anwendungen in der Architektur das "Begehen" virtueller, d.h. nur als Graphik existierender "Räume" und ersetzen damit aufwendige materielle Modelle durch viel billiger herzustellende und oft doch "echter" wirkende virtuelle Substitute. Der Begeher solcher Räume kann diese ästhetisch und "räumlich" auf sich wirken lassen, zwischen Varianten wählen und Veränderungswünsche artikulieren – und diese bei Bedarf sofort in simulierter Form vorgeführt bekommen.
Eine besonders spektakuläre Anwendung in der Medizin beruht auf der Kopplung mit in den Körper eingeführten Miniatur-Kameras und Spezial-Operationsgeräten. Damit werden minimalinvasive Operationen möglich, bei denen der Operateur den Operations-Vorgang nicht mehr direkt, sondern indirekt, mit Hilfe einer VR-Apparatur und anhand der durch die Kamera übertragenen (diesmal "echten") Bilder vornimmt. In der Spiel- und Unterhaltungsszene entfaltet Virtual Reality nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. Dafür sind zum einen die gesteigerten 3D-Präsentationsmöglichkeiten, zum anderen die im Zusammenhang mit der Vernetzung mehrerer Computer entstandenen vielfältigen Interaktionsmöglichkeiten mit den anderen Spielern verantwortlich.
Wie jede neue Technik, ist auch die VR-Technik nicht frei von Gefahren und Risiken. Diese liegen zu einem Teil im medizinisch-gesundheitlichen Bereich, zum anderen sind sie psychologisch-sozialer Natur. So ist eine "Fern-Operation" eines möglicherweise weit vom Operationstisch entfernten Operateurs medizinisch nicht unkritisch. Weniger kritisch, aber unangenehm könnten sich Fehlschlüsse auswirken, die man aufgrund des "Begehens" eines virtuellen (und damit in letzter Konsequenz doch nicht dreidimensionalen) Baukörpers zu ziehen geneigt ist. Und langes "Eintauchen" in virtuelle Welten (bei Spielen oder anderen VR-Anwendungen) kann zu kurzfristigen Orientierungsproblemen oder gar Gleichgewichtsstörungen führen. Vor allem aber fürchtet man langfristige Wirkungen wie psychische Abhängigkeit, Vereinzelung und Identifikationsprobleme – bis hin zum Realitätsverlust als mögliche Folgen übermäßigen Reisens in virtuelle Welten.
Ganz wesentliche Impulse und eine besondere Richtung hat die VR-Entwicklung durch die etwa zeitgleich erfolgte weltweite Verbreitung des Internet bekommen. Dabei entstehen nicht nur in technischer, sondern auch in sozialer Hinsicht neue Kommunikationsformen und -strukturen. Diese werden oft unter dem Schlagwort "Virtuelle Gemeinschaft" zusammengefasst. Darunter versteht man einen Kreis von durch das Netz verbundenen Menschen, die regelmäßig untereinander korrespondieren und die damit ein gemeinsames Beziehungsgeflecht aufbauen.
Es gibt sehr vielfältige Formen solcher Zusammenschlüsse, die sich je nach Teilnehmerkreis, thematischer Ausrichtung, Art der Interaktion, einzuhaltenden Regeln etc. unterscheiden. Sie reichen von einer simplen Mailing-Liste, mit deren Hilfe sich Interessenten an einem bestimmten Thema über Neuigkeiten, Arbeitsergebnisse, Ereignisse etc. gegenseitig informieren bis hin zu virtuellen Welten oder sogenannten "Verliesen", in denen die Teilnehmer in fremde Identitäten schlüpfen und außerhalb der gewohnten raum-zeitlichen Begrenzungen agieren können.
Die Anwendungen reichen hier von der Geschäftswelt über den Spiel- und Unterhaltungsbereich bis in den politischen, sozialen und spirituellen Sektor hinein. Im Geschäftsleben lassen sich durch Computer-Konferenzen, Telebanking, Teleshopping oder Telearbeit physische Bewegungen von Teilnehmern, Kunden oder Angestellten substituieren und damit (teilweise) einsparen. "Teilweise" deshalb, weil die Erfahrung zeigt, dass viele dieser Aktivitäten nicht ganz ohne körperlichen Kontakt der Beteiligten auskommen, d.h. ohne diesen ihren Charakter oder Sinn verlieren. Das Argument, man könne durch Computer-Konferenzen unnötige Geschäftsreisen einsparen, wird auch durch den bekannten Kompensations-Effekt erschüttert: Eingesparte Zeiten oder Ressourcen werden oft durch vermehrte Aktivitäten kompensiert oder gar über-kompensiert.
Beispiele für Virtuelle Gemeinschaften im nicht-geschäftlichen Bereich sind themengebundene Gesprächskreise, Diskussionsforen, politische Zirkel, Gruppen von Interessenten an kommunalen und sozialen Projekten, an Sport und Freizeitgestaltung sowie am Austausch religiöser und spiritueller Erfahrungen. In vielen euphorischen Publikationen ist ein Wandel der demokratischen Umgangsformen vorausgesagt worden: Bürger bekommen einen direkten Draht zu ihren Politikern, Basisdemokratie ließe sich verwirklichen, Wahlen und Abstimmungen könnten ad hoc per Computer durchgeführt werden, das Recht zur freien Meinungsäußerung könnte – mit Hilfe der neuen Plattform Internet – nahezu unbegrenzt ausgeübt werden. Neben die durch physische Nähe gekennzeichneten Familien-, Nachbarschafts- und Vereinsbeziehungen treten neue, keinen räumlichen Begrenzungen unterworfene und ständig (re-) aktivierbare Sozialkontakte.
Die reale Entwicklung weist allerdings in eine andere Richtung: In zunehmendem Maße werden die Netze durch Großanbieter bestimmt, die diese in erster Linie für kommerzielle Zwecke, d.h. Werbung und Verkauf nutzen. Der (durch unvermeidbare Auswüchse provozierte) Ruf nach Zensur verstärkt die Tendenz zur Konzentration und Kommerzialisierung und schränkt die individuellen und basisdemokratischen Möglichkeiten ein. Vom ahnungslosen Privat-Nutzer unbemerkt, fließen dessen Daten und Nutzungsgewohnheiten zurück zu den Anbietern und werden von darauf angesetzten Spezialisten gesammelt, zu Werbe- und Vermarktungszwecken aufbereitet und weitervermittelt.
Bekannte Autoren wie z.B. Howard Rheingold haben sich gefragt, was den besonderen Reiz und die Faszination virtueller Gemeinschaften ausmacht. Sicher ist da zunächst eine gute Portion Neugier oder Voyeurismus im Spiel (der ja auch den Erfolg herkömmlicher Medien wie der Regenbogen-Presse ausmacht). Weiter stellen virtuelle Gemeinschaften aber auch eine Art Gegenkultur in einer Welt wachsender Vereinzelung und Entfremdung dar und können als "sozialer Klebstoff" in einer beziehungsarmen Umgebung dienen. Der Computer wird zur "Beziehungskiste", mit deren Hilfe sich leicht unverbindliche Kontakte knüpfen lassen, ohne eigene Hemmungen überwinden oder Schwächen preisgeben zu müssen. Mit Hilfe der virtuellen Umgebung kann man – wenigstens zeitweise – einer ungeliebten, weil reizlosen, öden oder abweisenden realen Umgebung entfliehen ("Eskapismus"). Möglicherweise tun sich dabei neue, bisher ungeahnte Wahrnehmungs- und Erfahrungsräume auf, in die man abtauchen und alles andere um sich herum vergessen kann. Rheingold spricht hier von "Hyper-Realität".
Was lässt sich als Fazit aus dieser neuen Technik und ihren Anwendungen ziehen? Für die Anbieter versprechen sie big business: Die Werbung läßt sich noch gezielter und hautnaher an die bestehenden und potentiellen Kunden heranführen. Der Verkauf von Waren und Dienstleistungen wird erleichtert, etwa noch vorhandene Hemmschwellen beim Kunden werden erniedrigt, Geschäfte können weniger aufwendig abgewickelt und damit rationalisiert werden. Für Politiker und Interessenverbände bieten virtuelle Realitäten die bequeme Möglichkeit, von Unzulänglichkeiten oder Schädigungen der "realen" Realität abzulenken. Wer in einer virtuellen Welt auf Wolken wandelt, nimmt Umweltschäden oder Einschränkungen der Bewegungsfreiheit weniger deutlich oder gar nicht mehr wahr.
Für den unkritischen Konsumenten wird die Welt einfacher und geradliniger, eine Reihe unangenehmer Überraschungen bleiben ihm erspart. Die "Schöne neue (virtuelle) Welt" verschmilzt – wenn genügend lange konsumiert – mit der realen Welt, wird zu einer endlosen, universellen "World Soap Opera". VR macht Spaß und bringt den gewünschten Kick. Am Ende steht die Möglichkeit des kollektiven Realitätsverlusts: Die virtuelle Realität sticht die "reale Wirklichkeit" aus, weil sich die Mehrheit von ihrer Überlegenheit überzeugt hat.
Stellt diese Vision einer der kollektiven Schizophrenie verfallenden Gesellschaft eine reale Gefahr dar? Heute erscheint sie noch absurd – doch sollte man sich vergegenwärtigen, dass Gesellschaften in der Vergangenheit immer wieder in "virtuellen Realitäten" – verkörpert z.B. durch Sagen, Fabel- und Göttergeschichten, durch die Propaganda von Feudalherren, Diktatoren, Inquisitoren und Parteifunktionären – gelebt haben. In gewissem Sinne sind solche virtuelle Welten sogar sinnstiftend, richtungsweisend und damit lebenserhaltend für menschliche Gemeinschaften. Zur Gefahr werden sie dann, wenn in ihrem Namen und aufgrund ihrer Gesetze arrestiert, gefoltert und gemordet wird. So lassen sich hinterher als "Entgleisungen der Geschichte" eingestufte Perioden als Folge von kollektiv verloren gegangenem Realitätssinn erklären.
Gehen von der gegenwärtigen Welle der weltweiten Vernetzung und der "Virtualisierung" bestimmter Lebensbereiche konkrete Gefahren aus? Einige sind bereits immanent – werden aber vielleicht von vielen Mitmenschen noch als harmlos oder zumindest akzeptabel eingestuft: Dazu gehören die weiter fortschreitende, flächendeckende Kommerzialisierung und alles durchdringende Überflutung mit Werbung. Technisch bereits möglich ist die Ausspähung und Überwachung einzelner Personen, die unbemerkte Erfassung privater Daten – mit den entsprechenden Einbußen an Privatsphäre.
Wer sich darüber hinaus noch nicht von den Werbesprüchen einer paradiesischen "Informationsgesellschaft" einwickeln lassen will, wird Huxley's Vision einer "Schönen neuen Welt" nach wie vor brandaktuell, ja durch die neuesten Entwicklungen eher bestätigt finden: der Vision einer manipulierten, gefährdeten Menschheit, die sich von ihren realen Problemen, von der sie umgebenden und ihr Leben spendenden Natur abwendet, deren Signale nicht mehr wahrnimmt und damit eine wesentliche Fähigkeit zum nachhaltigen Überleben einbüßt.
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26.01.1998
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Schriften des Autors zum Thema finden Sie hier:
Strahlenbelastung des fliegenden Personals
Schriften zum verwandten Thema der biologischen Wirksamkeit der Neutronen, die wichtigste Komponente des Strahlenfeldes in den üblichen Reiseflughöhen finden Sie hier:
Biologische Wirksamkeit von Neutronen
Zur Messung der Veränderung der kosmischen Strahlung mit dem Neutronenmonitor:
Inzwischen zählt das fliegende Personal zu den beruflich Strahlenexponierten;
Strahlenschutz: Überwachung des fliegenden Personals
Die Strahlenbelastung wird alledings nicht wie bei anderen beruflich Exponierten gemessen, sondern "mit anerkannten Programmen" berechnet. Nach Meinung des Autors wird in diesen Programmen die biologische Wirksamkeit der Neutronen unterbewertet.
Eine Anwendung ionisierender Strahlen aus medizinischer Indikation ist
bei Schwangeren nur bei zwingendem Anlass und unter Abwägung von Nutzen und Schaden erlaubt. Dazu kontrastiert, dass die Strahlenbelastung Schwangerer bei einem Flug für unbedenklich gehalten wird.
Flugpassagiere sind auch vom Economy-Class-Syndrom bedroht, das mit der Strahlenbelastun nichts zu tun hat, sondern auch z.B. bei Busreisen beobachtet wurde:
Der Text zum alten Traum vom Fliegen und den Folgen zu hoher Flugrouten, Ovids "Dädalus und Icarus", im lateinischen Wortlaut mit Übersetzung bei:
s. auch (mit Bildern):
Die Persistenz der Links wird nicht kontrolliert.
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02.02.1998
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Das Skript zum Vortrag finden Sie hier:
ohnmacht.pdf
(38 kB)